Wieder Positivtrend bei Bauerneinkommen nach langer Durststrecke

(c) Roland Grames

Rechnungshof-Forderung: "Grüner Bericht" 2016 mit neuen Erhebungsgrenzen

"2012, 2013, 2014 und 2015 verzeichneten Österreichs Bäuerinnen und Bauern Einkommensverluste. Nach vierjähriger Durststrecke ist mit 2016 erstmals ein positiver Trend erkennbar. Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft stiegen 2016 gegenüber dem Vorjahr pro Arbeitskraft auf 21.019 Euro im Schnitt. Das ist eine Steigerung um 14%. Pro Betrieb beläuft sich das Jahreseinkommen 2016 auf rund 28.000 Euro. Das Plus ist zurückzuführen auf höhere Erträge aus der Schweinehaltung, wo Preise und Verkaufsmengen gestiegen sind, auf eine mengenmäßig bessere Ernte wegen des warmen und niederschlagreichen Sommers, besonders bei Öl- sowie Hackfrüchten, und auf gestiegene öffentliche Gelder, wie den Hilfszahlungen für Betriebe nach der lang anhaltenden europaweiten Milchmarkt- und Schweinemarktkrise beziehungsweise für Entschädigungen nach den schweren Frühfrostschäden des Vorjahres", erklärte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes.

"Da der Rechnungshof gefordert hat, das Erhebungssystem an die bäuerliche Strukturentwicklung anzupassen, wurden sowohl die Untergrenze als auch die Obergrenze der ausgewerteten Betriebe angehoben. Konkret wurde der Anteil kleiner Betriebe reduziert, größere Betriebe wurden neu in die Ermittlung aufgenommen. Es ist sichergestellt, dass die neue Auswahl über 90% der Marktleistung aller heimischen Betriebe abdeckt", so Schultes weiter, der ergänzte: "Aus Sicht der Interessenvertretung ist es bedauerlich, dass Betriebe mit einer geringen Produktion nun nicht mehr ausgewertet werden."

Konkrete Entwicklung enorm unterschiedlich

Die Einkommen entwickelten sich je nach Betriebsform und Produktionsgebiet sehr unterschiedlich. So kam es nach dem Dürrejahr 2015 zu überdurchschnittlichen Erträgen bei Getreide, Leguminosen, Hackfrüchten, Ölsaaten und Zuckerrüben, was in einem Plus von 34% bei den Marktfruchtbetrieben sichtbar wird. Nach massiven Einkommenseinbrüchen in den letzten Jahren erholten sich die Veredelungsbetriebe mit einem Zuwachs von 50%, der vor allem auf die gestiegenen Preise für Zuchtsauen, Ferkel und Mastschweine zurückzuführen war. Mit einem leichten Minus waren wegen niedrigerer Erzeugerpreise bei Eiern und Masthühnern die Geflügelbetriebe konfrontiert. Futterbaubetriebe verzeichneten mit +2% eine nur geringe Steigerung. Bei den Milchbauern standen einem um 5% gesunkenen Milchpreis höhere Verkaufsmengen gegenüber. Das Einkommen der Rindermastbetriebe hingegen ging um 4% zurück. Auch die Forstbetriebe verzeichneten ein Minus in der Höhe von 11%, was auf einen geringeren Holzeinschlag und gesunkene Preise für Holzprodukte zurückzuführen war. Ein Plus von 16% gab es bei Dauerkulturbetrieben, also im Wein- und Obstbau, jedoch mussten diese in den letzten Jahren wegen zunehmender Wetterkapriolen extreme Schwankungen verzeichnen.

2016: Neue Erhebungsmethode

Um das Einkommen in der Land- und Forstwirtschaft zu erheben, werden Daten von rund 2.000 freiwillig buchführenden Betrieben ausgewertet. 2016 brachte jedoch eine Änderung im Verfahren. Da der Rechnungshof verlangte, die Auswahl der Betriebe an die sich weiter entwickelnde Agrarstruktur anzupassen, wurde, einfach ausgedrückt, die Summe aller Verkaufserlöse eines Betriebes von der Untergrenze 8.000 auf 15.000 Euro angehoben und die Obergrenze von 350.000 auf 750.000 Euro erhöht. Damit jedoch eine längere Rückschau beziehungsweise Vergleichbarkeit möglich ist, werden die Einkommensergebnisse auf Basis der neuen Einkommensermittlung bis 2010 zurückgerechnet.