Tierwohl – Höhere Standards und Billigpreise sind Widerspruch

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Österreichs Bauern verlangen EU-Standards bei EU geförderten Auslands-Investitionen.

„Tierwohl ist ein gemeinsames Anliegen von uns allen und die Landwirtschaft gestaltet das Wohlbefinden. Doch Billigpreise setzen Grenzen und höhere Standards müssen erwirtschaftet werden. Scheitern wir wirtschaftlich, schadet das den Tieren, den Bauern und den Konsumenten. Vor einem Jahr wurde den Putenhaltern unter dem Applaus des Lebensmittelhandels eine marktgerechte und tierschutzkonforme Anpassung der Haltungsvorgaben verweigert. Den Putenbauern wurden höhere Preise in Aussicht gestellt, um Marktverluste auszugleichen. Heute liegen in den Regalen der Handelsketten deutlich mehr Puten aus dem Ausland, wo solche strengen Regeln nicht gelten, und die Preise für die österreichischen Bauern sinken. Ergebnis: Österreichs Bauern haben Millionenverluste, steigende Importe kommen aus den kritisierten Haltungsformen. Tierwohl zählt nicht und der Konsument ist getäuscht. So kann es nicht gehen. Wir verlangen daher, dass die höheren österreichischen Standards zumindest bei der öffentlichen Beschaffung verpflichtend vorgeschrieben werden“, forderte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes im Rahmen der „Klartext“-Tierwohl-Veranstaltung in Graz.

Täglich 2,5 Millionen Essen außer Haus

„Österreich hat sich vorgenommen, die neue EU-Vergaberichtlinie schon vor 2016 umzusetzen. Mit dieser Richtlinie müssen wir für den Lebensmitteleinkauf in öffentlichen Einrichtungen das Prinzip Best- statt Billigstbieter einführen. Tagtäglich werden 2,5 Millionen Portionen Essen in Regierungsgebäuden, Schulen, Internaten, Kasernen, Krankenhäusern, Pflege- oder Altersheimen etc. ausgegeben. Wenn uns Tierwohl wirklich ein Anliegen ist, muss es in Zukunft um das beste und nicht um das billigste Angebot gehen. Die höheren österreichischen Standards gehören als Grundvoraussetzung einer Ausschreibung beim öffentlichen Einkauf nach dem Prinzip ‚Best statt billig’ selbstverständlich dazu“, so Schultes.

Tierwohl-Standards auch bei EU-Drittland-Investitionen

Internationale Finanzinstitutionen fördern den Bau großer Tierhaltungsanlagen in vielen Schwellenländern und Drittstaaten. Doch dabei wird die Einhaltung von Tierwohl-Standards, wie sie in der EU gelten, so gut wie nirgends vorausgesetzt. Erzeugnisse aus diesen Investitionen, beispielsweise in die Geflügel- und Schweinehaltung oder Aquakultur, werden jedoch in die EU importiert. „Wir als LK Österreich verlangen gemeinsam mit den Erzeugerorganisationen in der Wertschöpfungskette, dass Österreich offiziell gegenüber der EU-Kommission und den internationalen Organisationen auftritt und fordert, die EU-Tierwohlstandards zum Mindestbestandteil für direkt oder indirekt durch die EU unterstützte Investitionsvorhaben zu machen“, informierte Schultes über ein gemeinsames Anliegen von Interessenvertretung und betroffenen Organisationen bzw. Unternehmen.

Produktion im Ausland hilft in Österreich niemandem

„Das österreichische Bundestierschutzgesetz ist im EU-Vergleich, ja weltweit eines der umfassendsten und strengsten. Um Österreich auch weiterhin als Tierschutz-Musterland zu verstehen, bedarf es einer stetigen Weiterentwicklung der Standards mit Maß und Ziel. Strengere Regeln als in der EU dürfen jedoch nicht die Produktion verhindern oder die Existenzen der Tierhalter gefährden. Weder Tierschutz noch Verbraucher hätten auf Sicht etwas davon, wenn bestimmte Tiere nicht mehr in Österreich gehalten werden können und ihre Erzeugnisse aus Ländern mit niedrigeren Standards importiert werden müssen. Die Landwirtschaft war und ist offen für kontinuierliche Weiterentwicklung. Doch alternative Lösungen müssen praxistauglich sein und den Anforderungen des Marktes, der Wirtschaft und der Arbeit des Bauern Rechnung tragen. Ist der Produktionsstandort Österreich aufgegeben, hilft das in Österreich niemandem, weder den Tieren, noch den Bauern. Den Schaden haben die Konsumenten“, so Schultes abschließend.