Schultes persönlich - September 2018

(c) LKNÖ

Liebe Leserin, lieber Leser!

Abhängigkeit und Bevormundung war für viele Bauern in Österreich

über Jahrhunderte Teil ihres mühsamen Lebens. Eine wichtige Veränderung

brachte die Aufhebung der Untertänigkeit durch das Patent/

Dekret von Kaiser Ferdinand am 7. September 1848, vor 170 Jahren.

Mehr Freiheit und wirtschaftliche Eigenverantwortung gingen Hand

in Hand mit mehr Risiko und der neuen Erfahrung der Steuerpflicht.

Schwer war der Weg; und erst die wirtschaftliche Wirksamkeit der Genossenschaften

hat eine brauchbare Eigenständigkeit gebracht.

Mehr Risiko bringt Sorgen. „Beschützer“ bieten sich wieder an, ihr

Preis war immer schon zunehmende Bevormundung.

Faire Risikovorsorge versuchen wir mit dem Ausbau der Hagelversicherung

zur Mehrgefahrenversicherung zu erreichen. Die schwankende

Ertragslage und die schlechten Preise verhindern, dass die Bauern

eigenständig Kapitalpolster zur Vorsorge aufbauen. Logisch ist, dass die

Profiteure der billigen Preise die Finanzierung der Versicherungsprämien

mittragen. Die Zuschüsse zur Hagelversicherung sind keine Subvention

der Bauern, sondern der Beitrag der Steuerzahler zur Risikobegrenzung,

um die dauerhafte Lebensmittelversorgung möglich zu machen. Die

Bauern können im Klimawandel diese Garantien nicht mehr geben. Wer

das heuer nicht begreift, hat die Augen noch nicht geöffnet.

Josef Hirsch, der neue Kammerobmann der BBK Korneuburg, sagt:

„Die Selbstständigkeit und die Entscheidungsfreiheit sind ein wunderbares

Gut.“ Das ist mein Maßstab für die GAP Reform.

Lebensfremde Vorschriften sind Fallstricke im täglichen Leben. Weg

damit! Geld, das als „Förderung“ tituliert wird, ist gefährlich. Leistungsabgeltungen,

Geld, das also als Bezahlung einer erwünschten

Leistung angeboten und abgeholt wird, darf auch nur nach den Regeln

des Wirtschaftslebens gezahlt und verweigert werden. Fehler sind

keine Ausschließungsgründe. Mängel werden behoben oder finanziell

ausgeglichen. Absurde Sanktionen wegen lebensfremder Toleranzgrenzen

darf es nicht mehr geben.

Reden wir von „Hohen Herren“ wie anno dazumal oder erleben wir

Kontrollore wie Schiedsrichter, die das Einhalten gemeinsam erarbeiteter

Regeln feststellen. Der Unterschied ist der gegenseitige Respekt

und die Achtung des anderen.

Die „Bauernbefreiung“ als Grundlage wahrer Entscheidungsfreiheit

ist eine anhaltende Aufgabe. Gerade heuer wünsche ich Ihnen und

uns Erfolg dabei.

 

Hermann Schultes