Schultes persönlich - September 2017

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vor kurzem besuchten wir die slowakische Landwirtschaftskammer.

Unauffällig in einem alten Bürogebäude in Bratislava, als Mieter im

Stockwerk über der Hagelversicherung arbeiten dort 15 Angestellte

für die Anliegen der slowakischen Landwirtschaft. Das Geld ist sehr

knapp. Weniger als 2.000 relevante Landwirtschaftsbetriebe gibt es,

vielleicht zwei Drittel davon sind freiwillig Kammermitglieder.

Förder-Anträge werden ohne Kammer praktisch alle übers Internet

abgewickelt, verbunden mit hohen Beratungshonoraren. Es gibt die

flächenbezogenen Direktzahlungen der EU und Investitionsförderungen

aus der Ländlichen Entwicklung für den Maschinenpark mit

Kontrollen wie bei uns.

Keine Gütesiegelwerbung, keine eigene Lebensmittelwerbung, keinen

vergleichbaren Beratungsapparat und auch nicht das Zusammengehörigkeitsgefühl

unserer bäuerlichen Landwirtschaft – die Regierung

hat andere Schwerpunkte. Selbst in den Supermärkten beträgt der

Anteil der slowakischen Lebensmittel weniger als 40 Prozent.

Einen guten Betrieb, der 1.500 Stiere mästet, haben wir besucht.

Aus der Landwirtschaftskammer ist dieser Betrieb ausgetreten. Sein

Wissen holt er sich selbst aus ganz Europa, wo er auch die Kälber einkauft

und die Stiere verkauft. Fachexperte ist der Tierarzt. Die Preise

sind mitteleuropäisch.

Was ist bei uns anders? Rückverfolgbarkeit und Transparenz bringen

uns das Vertrauen unserer Kunden und dadurch bessere Preise.

Unsere bäuerlichen Familienbetriebe, der Tiergesundheitsdienst, das

AMA-Gütesiegel, Verbände mit Verantwortung, eine umfassende Beratung

und ein Schulwesen für eine breite Kompetenzvermittlung sind

die Basis. Mit den entsprechenden Ausgleichszahlungen und Sonderprogrammen

können wir das in wirtschaftlichen Erfolg verwandeln.

Das ist ausbaufähig!

Mehr als die Hälfte der Mahlzeiten werden heute in großen Werkskantinen,

Spitalsküchen oder anderen Großküchen zubereitet. Dort

treffen sich Billigstangebote mit unserer Qualität. Die Kunden bei

Tisch wissen nicht, essen sie österreichisch oder rumänisch, ukrainisch

oder holländisch. Seit dem Skandal mit Eiern aus Belgien wollen

wir´s wieder wissen.

Wer hat da was zu verstecken? Wir brauchen die Herkunftskennzeichnung

für den fairen Wettbewerb unter ehrlichen Leuten. Wir wollen

wissen, woher Fleisch und Eier sind! Auf der Speisekarte! Bitte unterstützen

Sie diese Forderung!

 

Hermann Schultes