Schultes persönlich - Oktober 2018

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Heute hatten wir am Hof Global GAP-Kontrolle für das AMA-Gütesiegel.

Die Kontrolle war korrekt, sehr genau, aber letztendlich ohne

Beanstandung. Dafür waren die Tage davor etwas angespannt. Der

Fragenkatalog will ernst genommen werden, was angesichts der Tatsache,

dass es sich um internationale Standards handelt, in manchen

Details österreichische Bauern zumindest verwundert. In Österreich

als selbstverständlich geltende Produktions- und Sozialstandards sind

außerhalb unseres Landes alles andere als selbstverständlich.

Bloß die Drahtwürmer interessiert das alles nicht. Die fressen Löcher

in unsere Erdäpfel. Am Papier stimmt alles, nur Lebensmittel sind

sie nicht geworden, diese Erdäpfel. Die Derbrüssler hat`s auch nicht

interessiert, dass wir die Bienen schützen. Die Läuse in den Grünerbsen

haben sich auch nicht geziert. Wer da nicht häufiger mit dem

Spritzfass am Feld war, war mit dem Ertrag unzufrieden.

Aber die Bienen sind gerettet, so wie all die Jahre davor. Wer das

Summen erlebt hat, hat seine Freude. Zuckerrüben wird es im kommenden

Jahr in unserer Gegend weniger geben. Kann sein, dass die

Imker ihren Zucker für die Winterfütterung der Bienen nächstes Jahr

aus tschechischen Rüben bekommen, die nach einer Pflanzenschutz

Notfallzulassung mit europaweit verbotenen Neonicotinoiden geschützt

wurden.

Dass Zuckerrüben nicht blühen, der junge Raps im Herbst schon

dreimal vollflächig mit Insektiziden gespritzt wird, weil der punktuelle

Schutz durch Beize nicht mehr möglich ist, dass Zuckerfabriken

wackeln und Biogemüse aus Ägypten oder Spanien, Pflanzenöl aus

Ukraine die Antwort sein soll, das passt nicht in meine Welt der bäuerlichen

Landwirtschaft. Was aber an der Förderung einer Landwirtschaft,

getragen von Kapitalgesellschaften, in denen sich Menschen

mit geringsten Sozialstandards plagen, gescheit sein soll – ich versteh

es nicht, aber das wird ja von den NGOs nicht in die Medien getragen.

Wir liefern als österreichische Bauern ja nicht nur Lebensmittel, wir

erhalten Natur und Kulturlandschaft, schützen das Wasser, liefern

Energie und sichern die Versorgung so vieler Verarbeitungsbetriebe.

Umso wichtiger ist für uns, dass endlich die Herkunftskennzeichnung

den Menschen im Supermarkt, aber auch außer Haus zeigt, woher

ihre Lebensmittel am Teller kommen. Der Hausverstand wäre auf

unserer Seite. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihrem Teller gut schmeckende

österreichische Speisen serviert bekommen.

 

Hermann Schultes