Schultes persönlich - Oktober 2017

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Erntedank ist in vielen Bauerndörfern, oft auch in der Stadt ein

Herbstthema, bei dem viele Menschen mitmachen. Die Erntekrone

aus Getreideähren ist der Mittelpunkt des Festes und soll zeigen, dass

wir dankbar für das gewachsene Brot sind. Dankbarkeit und Lebensfreude

sind die Motive für das Erntedankfest. Bei uns auf den Bauernhöfen

und für viele Menschen im Dorf ist noch im Bewusstsein, dass

nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Gerade im heurigen Jahr

mit Trockenheit, Borkenkäfer und anderen Folgen des Klimawandels

haben das viele schmerzhaft gespürt. Für die einen ist eine gute Ernte

Glück, für andere das erarbeitete Ergebnis eines anstrengenden Jahres,

für viele auch der Segen für die Arbeit. Jedenfalls ist das Fest für uns

ein Fest mit tiefgehender Bedeutung.

Das spüren die Menschen und viele feiern mit, danken, dass sie einen

Arbeitsplatz haben, dass sie im letzten Jahr Pläne verwirklichen

konnten oder vielleicht eine Ausbildung abgeschlossen haben oder gar

Kinderglück in die Familie gekommen ist.

Erntedank ist für uns alle eine Stunde, in der uns bewusst wird, dass im

Leben vieles nicht von vornherein selbstverständlich ist. Weil es nicht

selbstverständlich ist sind wir dankbar.

Ich bin davon überzeugt, dass unsere Welt eine bessere ist, wenn wir

wissen, dass wir zuerst etwas einbringen müssen, eine Anstrengung

unternehmen, bevor wir etwas erwarten können. Unsere Dörfer leben

davon, dass wir für die Gemeinschaft Zeit einsetzen, Verantwortung für

etwas übernehmen, gemeinsame Aktivitäten setzen und uns darüber

freuen, dass auch die anderen das ihre dazu beitragen. So entsteht

Gemeinschaft, die uns eine gute Basis gibt, weil wir dabei auf andere

Gedanken kommen. „Hol dir, was dir zusteht“ passt da gar nicht dazu.

In freier Entscheidung FÜR etwas entsteht das Gefühl der Freiheit in

unserem Leben. Selbstwert, Respekt und Wohlbefinden gehören zusammen.

Das gibt dann eine Basis, die tragfähig ist für den Erfolg des

einzelnen in seinen privaten Aktivitäten.

Es gibt schon einen Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt

und am Land. Vereine, Feste, Gemeinschaftsaktionen und das Wissen

voneinander sind eine Stärke der ländlichen Lebensmöglichkeiten.

Wer das will, nimmt dann auch Pendlerkilometer in Kauf und freut

sich über die vertrauten Abläufe, in die dann auch die Kinder hineinwachsen

können. So entsteht Kulturleben und Tradition. Das ist uns

was wert und wenn`s dann auf uns ankommt, stehen wir dafür auch

ein. Ich wünsche Ihnen einen guten Grund zum Erntedank und einen

sonnigen Herbst.

 

Hermann Schultes