Schultes persönlich - November 2018

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Liebe Leserin, lieber Leser!

*** LANGVERSION *** des Beitrags aus "Die Landwirtschaft"

Wenn die 15 heißesten Jahre, die in den letzten 150 Jahren gemessen wurden, in den letzten 16 Jahren stattgefunden haben, dann wird der Klimawandel bei uns angekommen sein. Dürre, Hitze und Niedrigstniederwasser in der Donau, Extremniederschläge, Überschwemmungen, Stürme, die den gesunden Wald umlegen, so haben die Wissenschaftler die neue Welt des Klimawandels vorhergesehen. 2018 ist es soweit.

Die Dürre führt zu einer noch nie dagewesenen Vermehrung schädlicher Insekten. Der Borkenkäfer räumt die Fichte im Waldviertel, die Erdflöhe kassieren die ungeschützten Biozuckerrüben, was überbleibt nimmt der Derbrüssler vom Acker. 86 % der Biorüben haben den Aufgang nicht überlebt und ein Viertel der gesamten Zuckerrüben fehlen. Auch durch Beizmittel geschützte Rüben konnten diesen massiven Überfall nicht überleben.

Die Drahtwürmer verderben Erdäpfel, von denen 2,3 Millionen Österreicher leben könnten.

Und was tun wir in Österreich? Wir bauen Scheinwelten auf und tun gerade so, als ob wir uns was herbeiwünschen könnten. Weil der Chef einer Handelskette und einige NGOs in einer sehr einträglichen ökonomischen Verbindung mit bunten Bildern und der Geschichte von der Biene gute Profite machen, dürfen Wahrheiten nicht mehr angeredet werden. Wissenschaftliche Grundlagen, von allen amtlichen Instituten Europas geprüft, werden von wenigen Polemikern in den heißen Wind geblasen. Wie im Märchen sitzen unsere Meinungsbildner vor der Thujenhecke oder am Golfplatz beim millimetergenau gepflegten Rasen, haben 225 PS SUV in der Tiefgarage und erklären uns Bauern : „Es muss auch mit Handarbeit und viel mehr Risiko gehen.“

Bitte geschätzte Bürger,  macht doch endlich die Augen auf. Wenn’s um Pflanzenschutz in der Landwirtschaft geht, hört auf, euch vor den Geschichten der Märchenerzählen zu fürchten. Glaubt euren eigenen, von den Steuerzahlern angestellten Wissenschaftlern und nehmt zur Kenntnis, dass der Klimawandel keine Erfindung der Chinesen ist. Wir brauchen Antworten und Möglichkeiten zum Schutz unserer Ackerfrüchte und Obstgärten.

Qualitativ hochwertige und gleichzeitig wettbewerbsfähige Lebensmittel für unsere Österreicher wird es nur geben, wenn moderne Wissenschaft und bäuerliches Wissen zusammen wirksam sein dürfen.

Wir brauchen verlässliche Pflanzenschutzmittel. 44 Notfallzulassungen im heurigen Jahr zeigen uns, dass das ganze System chaotisch wird. Auf Notfallzulassungen ist keine Vertragslandwirtschaft und keine Verarbeitungsindustrie aufzubauen. Und doch müssen wir jetzt um Notfallzulassungen betteln, weil es keinen Rechtsanspruch auf Wettbewerbsgerechtigkeit gibt.

 Der Klimawandel bringt neue Gefahren, die zur Zeit der europäischen Neuordnung der Pflanzenschutzmittelzulassung undenkbar waren. Wir müssen weg von den Wunschwelten und bunten Bildern. Die Bauern sind nicht die Labormäuse diverser Handelsherren und auch nicht der selbstherrlichen Manager aus diversen NGOs. Hunderte Millionen Euro an Schaden sind eine Herausforderung. Dringend muss Europa die Diskussion an der Wirklichkeit des Klimawandels führen.

Der Ausbau der überregionalen Versorgung mit Wasser für Menschen, für die Tiere in den Ställen und die Beregnung unserer Kulturen ist dringend erforderlich.

Wir brauchen eine mutige Diskussion und zeitgemäße Antworten. Das heurige Jahr zeigt uns eine Dimension, die noch vor fünf Jahren für viele undenkbar war. Wenn wir unsere Augen öffnen, werden wir Antworten geben können.


Hermann Schultes