Schultes persönlich - Mai 2018

LKNÖ

Liebe Leserin, lieber Leser!

Jetzt kommt es dick!

Der heißeste April, der je gemessen wurde, nach einem Dürrejahr mit

Idealbedingungen für einzelne Insektenarten bringt uns nun eine

Insektenvermehrung im biblischen Ausmaß.

Trockenheit und Dürre geben uns einen Vorgeschmack, was Klimawandel

bedeuten wird. Borkenkäfer zerstören den Wald im Waldviertel,

Erdflöhe ruinieren die Zuckerrüben und den Mohn. Rüsselkäfer

marschieren wie eine Erntekolonne über die Zuckerrübenfelder und

suchen sich selektiv die Rüben, die mit reduzierten Beizmittelaufwendungen

gesät wurden. Als der Käferdruck noch gering war, waren

die geringen Konzentrationen ausreichend. Seit aber die Massenvermehrung

der Insekten auf vielen Äckern toleriert wird, explodiert bei

günstigem Käferwetter der Bestand.

Jeder, der mir in der letzten Zeit gesagt hat, bei den Biobauern geht’s

auch ohne, der sollte sich vielleicht einmal mit der Wirklichkeit beschäftigen.

Ich kann es jedenfalls nicht mehr hören. Insekten fressen, wo

wir sie lassen. Wer alles zum Bienenkiller erklärt, weil die Zeitung gern

drüber schreibt, macht sich zum Bauernkiller. Zyniker sagen: „Irgendwoher

kommen die Lebensmittel immer – wenn wir nur genug zahlen“.

Im Wald sehen wir, wie die Käfervermehrung ganze Landschaften

verändert. Im Wald gibt es keine chemischen Insektenbekämpfungsmittel,

bestenfalls am Holzlagerplatz.

Politische Antworten sind jetzt notwendig. Die Zukunft braucht

steuernde Hilfe. Der Wald wird verloren gehen, wenn wir das Käferproblem

den Waldeigentümern als Privatproblem lassen. Wiederbegründung

kostet Zeit und Geld. Käferholz ist entwertet. Der Katastrophenfonds

muss geöffnet werden. Das kann nur ein erster Schritt sein.

Wir brauchen keine Panikmache, wir brauchen rasches Handeln.

Dasselbe gilt für die Landwirtschaft. Die Wetter- und Elementarrisikoversicherungen

müssen besser unterstützt und ausgebaut werden.

Dass Versicherungsprämien extra besteuert werden, ist sowieso jenseitig.

Der Ausbau der überregionalen Wasserversorgung ist dringend

notwendig!

Wer in der EU angesichts des laufenden Klimawandels die Agrargelder

kürzen will, der verweigert die Wirklichkeit. Der kann auch gleich

aus den Klimaschutzverträgen austreten. Gerade jetzt brauchen die

Bauern Wertschätzung ihrer Kompetenz und Respekt.

Wir.decken.den.Tisch! Ich wünsch uns genug sanften Regen, damit

dies auch heuer möglich ist!

 

Hermann Schultes