Schultes persönlich - März 2018

(c) LKNÖ

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Was nicht gewachsen ist, kann nicht verkauft werden. Leider erschweren

nicht nur Dürre, Hagel oder Frost die Produktion, sondern auch

„erfundene“ Erschwernisse.

Herr Drexel von SPAR fährt quer drüber und schafft an, wie zu

produzieren ist. Null Toleranz bei Glyphosat ist seine Ansage. Aus der

landwirtschaftlichen Fachsicht ist das nicht nachvollziehbar. Für sein

persönliches Marketing ist das schon verständlich, macht ihm bei

Greenpeace einen schlanken Fuß, und dann ist er auch noch der Gute.

Keine Pflanze, die in Österreich legal geerntet wird, wird mit Glyphosat

behandelt. Glyphosat wird bei uns vor der Saat der Sommerfrüchte

oder nach der Ernte gegen Problemunkräuter verwendet und dies nur

auf Flächen, wo es unbedingt notwendig ist. Heuer haben wir noch Glyphosat,

nicht ideal, aber besser als alles sonst Mögliche. Österreichische

Landwirte setzen auf die Winterbegrünung. Sie schützt vor Bodenabtrag

und liefert Futter für den Regenwurm.

Für den Regenwurm ist der Bauer der Gute, medial und für den Herrn

Drexel ist der Bauer aber kein Partner mehr. Wie wird sich der Bauer

entscheiden? Gewinnt Herr Drexel, schwimmt der Acker beim nächsten

Gewitter davon, und der Regenwurm kriegt keinen Nachwuchs.

Das Ergebnis ist klar. Egal, wie der Bauer sich entscheidet, Vorwürfen ist

er in jedem Fall ausgesetzt. Der Konzernchef der großen Handelskette diktiert,

was am Acker geschehen soll, und wir bekommen die Kritik, wenn

die Erde davonschwimmt. Das müssen wir uns nicht gefallen lassen.

Die Vertreter der österreichischen Handelsketten wundern sich, warum

nicht nur in der EU, sondern auch in Österreich eine lebhafte Debatte

über die unfaire Kraftverteilung in der Lebensmittelvermarktung ausbricht.

Wir werden über die Spielregeln der Zusammenarbeit reden

müssen. Zum Handkuss kommen auch die Unschuldigen. In allen

Handelsketten gibt es dafür Partner, auch bei SPAR. Wer die letzte

SPAR- Kundenzeitung liest, weiß, dass es nicht ganz einfach wird. Aber,

wir reden noch. Wir sind nicht die Knechte des Herrn Drexel.

Zur Klarstellung: Lebensmittel, gewachsen in Österreich, bekommt man

jetzt schon auch bei SPAR ohne Glyphosatbelastung. Leider verkauft

SPAR nicht nur Bier, gebraut aus Importgerste, sondern auch andere

Produkte aus anderen Ländern. Da finden wir Glyphosatrückstände im

gesetzlich erlaubten Rahmen, aber ist das die versprochene Nulltoleranz?

Viele Herausforderungen gibt es, sie werden nur zu meistern sein,

wenn wir uns nicht ducken, sondern reden und weiter auf Basis wissenschaftlicher

Fakten informieren. Ich wünsche Ihnen einen schönen

Frühlingsbeginn.

 

Hermann Schultes