Schultes persönlich - Juni 2018

(c) LKNÖ

Liebe Leserin, lieber Leser!

Getreide im internationalen Handel bleibt billig, weil mehr verfügbar

ist, als zur Kaloriendeckung gebraucht wird. Weil international auch

eiweißreiches Futter und veredeltes Eiweiß als Fleisch von Hühnern oder

Schweinen leicht zu erhalten ist, wird auch hier der Preis von den Möglichkeiten

der Länder mit Flächenreserven und ohne Winter und billigen

Arbeitskräften bestimmt. Darüber können wir uns beschweren, es bleibt

aber trotzdem so.

Wie grenzt sich unsere österreichische Wirtschaft gegen Billigländer ab?

Fleiß in Ausbildung und Arbeit, soziale Verantwortung für alle Generationen,

Forschung und Schutz von Lebensraum und Klima sind das

Kleeblatt unseres Wohlstandes.

Wenn das wahr ist, wieso ist dann unsere Landwirtschaft dauernd in der

Krise? Wieso ist der Wettbewerbsdruck so hart?

Wir leben und arbeiten teurer als Billigländer. Der Arbeitsmarkt schützt

sich vor Billigarbeit, Konsumenten werden vor Billigramsch geschützt.

Klumpert darf bei uns nicht verkauft werden. Lebensmittel schon! Was

gerade noch brauchbar ist, am untersten Rand der Qualität drückt bei

uns auf die anonymen Märkte. Hendl, Puten, Rindfleisch, Schweinefleisch,

Getreide, Sojaschrot kommen auf den Markt in Europa und

drücken auf unsere österreichischen Preise. Bei uns in Österreich dürften

sie aus verschiedenen Gründen so nicht produziert werden. Die Bauern

wären vor dem Richter, im Gefängnis, auf jeden Fall nicht mehr Bauern.

Für all diese Produkte müssen wir die Herkunft bis zum Kunden sichtbar

machen, damit wir diesen Vertrauensmissbrauch bekämpfen können.

Die Zeitungen machen ein Theater um Bio und Konventionell und hauen

die österreichischen Bauern mit brasilianischen Verhältnissen in dieselbe

Pfanne. Das ist sowas von unfair! Mehr als 90 % der Lebensmittel kommen

aus der klassischen Landwirtschaft, weil die Kunden uns mit Recht

vertrauen. Die Anbieter verstecken ihre dubiosen Quellen und tun sehr

österreichisch. Kein Kindergartenlieferant bindet den Eltern auf die Nase,

dass seine Hendl vielleicht aus Thailand sind. Scheinheiliges Theater um

Handelsabkommen hilft uns gar nichts, wenn die wahre Herkunft gleichzeitig

verschleiert wird.

Damit wir unsere Bauern und unsere Standards schützen können,

brauchen wir die deutliche Kennzeichnung der Herkunft, den Ausbau des

AMA Gütesiegels und die breite Anwendung der EU-geschützten geographischen

Herkunft. Ich bitte Sie um Ihre Unterstützung für diese Forderung.

Preise macht nicht nur der Einkäufer, auch der Verkäufer, wenn er

ja sagt. Ich wünsche Ihnen guten Mut beim Verhandeln!

 

Hermann Schultes