Schultes persönlich - August 2018

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Teilung der Welt in brave Bauern und solche, die Bienen gefährden

und Glyphosat verwenden, erleben wir als Wirklichkeit, die

wahrscheinlich unvernünftig, aber real ist. Die normale und den

gesetzlichen Vorgaben entsprechende Landwirtschaft ist wirtschaftlich

dauerhaft unter Druck. Für manche Bauern ist die Bioumstellung

ein ökonomisch begründeter Ausweg.

Wie geht es in Österreich weiter? Immer mehr Menschen wissen

immer weniger über ihre wirklichen Bedürfnisse. Unzufrieden zu sein,

ist schon zur Grundhaltung geworden. Irgendwas muss anders, muss

mehr sein. Bloß – mehr von was? Vegan, Bio, frei von... .

Auch wenn die Werbemacht der Handelsketten ein anderes Bild erzeugt,

immer noch ist der heimische Bio-Anteil am Lebensmittel-Gesamtverzehr

in Österreich um die fünf Prozent. Schon mehr als 20

Prozent ist der Bio-Anteil in unserer Produktion. Was geschieht damit?

Die Österreicher kaufen bewusst österreichisch. Qualität, wo sie sie

erkennen können, aber auch billig, wenn die Werbung das empfiehlt,

oder sie essen außer Haus, was eben serviert wird.

Bis auf einzelne Spezialkulturen mit wachsendem Inlandsabsatz

exportieren wir die wachsende Bioproduktion und importieren konventionelle

Lebensmittel für die Verarbeitung. Jeder hinzukommende

Biobauer braucht neue Kunden in der ganzen Welt. Der freie Handel

ermöglicht Exporte, sogar in die USA, bringt aber auch die Importeure

in eine bessere Position.

Wollen wir unsere Gesamt-Wertschöpfung in Österreich erhöhen,

zählt was die Österreicher wollen. Manche bevorzugen Bioprodukte,

fast alle schätzen regionale Produkte. Wir müssen alle unsere Produkte

in guter Qualität erkennbar als österreichisch anbieten. Im

Supermarkt mit dem AMA-Gütesiegel, beim Feuerwehrfest genauso

wie in der Betriebskantine oder im Spital auf der Speisekarte mit dem

Herkunftsland für Fleisch und Eier. Uns fehlt ein AMA-Gütesiegel für

Brot und Backwaren.

Österreicher, die Lebensmittel kaufen und schätzen, auch die Steuern

zahlen, aus denen unsere Ausgleichszahlungen finanziert werden,

haben doch auch das Recht zu wissen, ob sie wirklich die besten Lebensmittel

am Markt, also aus Österreich, bekommen.

Ich wünsche uns, dass wir einander respektieren, voneinander lernen,

den Erfolg vergönnen. So werden Unterschiede zur Chance für den

gemeinsamen Weg.

 

Hermann Schultes