Rede vom 04.Oktober 2017 zu Glyphosat

(c) Roland Grames

194.Sitzung des Nationalrats GP XXV

Meine sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzter Herr Bundesminister! Geschätzter Herr Präsident! Spannendes Thema – große Verwirrung. Wieso ist das so?Weil wir mit dem Thema Glyphosat ganz offensichtlich ein Thema aus dem internationalen Kampagnenfeld zu uns hereingezogen haben und über Dinge reden, die bei uns so nicht stattfinden.

Erstens: Es gibt in Österreich keine Kulturpflanze, die mit Glyphosat behandelt wird, daher kann es auch keine Rückstände von Glyphosat in österreichischen Lebensmitteln geben. Das ist so. (Beifall bei der ÖVP.) Das wird überprüft. Das wird untersucht, das untersuchen wir selber.

Sie können die AGES fragen! In deren Berichten werden Sie sehen und lesen, dass alle Untersuchungen zeigen, dass sowohl die Lebensmittel als auch das Wasser frei vom Glyphosat sind, dass es auch keine Abbauprodukte davon gibt. All das ist in Ordnung.

Sie werden das sicher glauben, denn unsere Frau Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner war ja viele Jahre lang Vorsitzende einer Teilorganisation der AGES, die für Medikamente zuständig war. Jedes Medikament, das Sie einnehmen, hat einen Stempel von ihr. Mit denselben Untersuchungsmethoden, nach denselben Standards – beim Glyphosat sogar noch viel mehr – ist das Glyphosat untersucht worden. Wenn Sie sich trauen, ein Aspro zu nehmen, brauchen Sie sich vorm Glyphosat nicht zu fürchten, weil dieselben Wissenschaftler festgestellt haben, dass das in Österreich unproblamtisch ist. Da kann man behaupten, was man will, das ist so.

Warum ist das jetzt so ein großes öffentliches Theater? Warum setzen sich so viele drauf? Es gibt ein Problem: Glyphosat ist seit vielen, vielen Jahren zugelassen und ist als Patent abgelaufen. Heute gibt es viele Firmen, die das billig nachmachen können, und es ist im Prinzip so wie auch bei den Medikamenten. Wir wissen, dass es billige neue Medikamente gibt, die uns helfen, unsere Kosten im Gesundheitssystem zu senken. Beim Glyphosat ist es genauso. Es gibt eben viele Firmen, die das jetzt auf den Markt bringen, und die, die es erfunden haben, machen das Geschäft damit nicht mehr. Das ist schon lange nicht mehr Monsanto. Die da jetzt mit Monsanto Theater machen, machen in Wirklichkeit den Weg für die auf, die uns etwas anderes verkaufen wollen, das sicher teurer ist und sicher problematischer. Das ist leider so.

Die Frage ist jetzt: Wie kommen wir mit dem Thema zurande? Wir haben in Österreich unsere Landwirtschaft so definiert, dass wir Glyphosat auf Kulturpflanzen nicht anwenden. Warum brauchen wir es trotzdem?Weil wir die humuskonservierende, bodenschonende Landwirtschaft mit unserem Programm entwickelt haben und im Gegensatz zu vielen Ländern in Europa heute schon wieder Pflanzen am Acker draußen stehen haben, die über den Winter stehen sollen, die Erde halten sollen, das Nitrat halten sollen – Markus, das ist ein Thema! – und dann im kommenden Frühjahr abgestorben sein sollen, wenn es kalt genug ist. Wenn es nicht kalt genug ist, dann brauchen wir eine Hilfe, und da ist Glyphosat die Hilfe, weil Glyphosat keinen Unterschied macht und jede grüne Pflanze stoppt. Gut, dann können wir das anbauen, was wichtig ist.

Das Thema ist: Wir werden es tun müssen. Es gibt Kollegen, die sich verpflichtet haben, auf derartige Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Was machen die im Frühjahr? – Die fahren dann mit einem Bodenbearbeitungsgerät drüber, einmal, zweimal, dreimal, bis die Unkräuter weg sind, weil wir sie halt nicht am Acker brauchen, so lieb sie auch sind. Dann kommt der Regen im Frühjahr, die Erde rinnt runter, und mittlerweile sind solche Kollegen vor dem Richter, weil sie Schadenersatzprozesse durchzuhalten haben. Wir als Kammer helfen ihnen dabei, weil halt Erfahrungen zu sammeln sind. – Das ist die Wirklichkeit.

Wir können natürlich gescheit reden und sagen: Das brauchen wir nicht und das brauchen wir nicht. Wir sollten aber einer vernünftigen Praxis durchaus den Weg lassen. Österreich hat eine vernünftige Praxis, und wir würden uns wünschen, dass diese Praxis in Europa breiter Platz greift. Das ist alles. Lasst uns vernünftig weiterarbeiten! Wir sind rückstandsfrei. Wir haben die beste Qualität am Teller. Wir haben keine Probleme. Das Wort Gift ist nicht berechtigt. Das Einzige, was giftig ist, sind vielleicht die Hortensien, Mykotoxine, vielleicht das eine oder andere Unkrautpflanzerl, vielleicht der Blaue Eisenhut. Das sind gefährliche Sachen. Was wir liefern, ist aber in Ordnung.

Das Wichtigste, was da zu verlangen ist, ist, dass wir endlich einmal eine gescheite Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel wie Fleisch und Eier kriegen, denn wenn sie aus Österreich sind, ist jeder sicher. Und wenn ihr uns helfen wollt, den Österreichern helfen wollt, dann helft bitte mit, dass wir endlich wissen, woher die Lebensmittel kommen, denn wir sind sauber. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)