Neues EU-Energiekonzept strotzt vor Widersprüchen

(c) Anna Schreiner, LKÖ

Versorgungsprobleme der EU nicht durch Erdgas- und Stromleitungsbau lösbar

„Ein Kernziel der ‚Energie Union’, die von der EU-Kommission präsentiert wurde, ist die Verringerung der Importabhängigkeit bei Energie bzw. der damit verbundenen Kosten in Höhe von mehr als 1 Mrd. € pro Tag bzw. über 400 Mrd. € pro Jahr. Das neue EU-Konzept fokussiert in erster Linie auf den Bau neuer Erdgaspipelines und Stromtrassen. Allein damit wird aber die EU-Importabhängigkeit sicher nicht gelöst werden. Denn mit 53% Abhängigkeit ist die EU der weltgrößte Energieimporteur. Neben dem Import von Steinkohle und Nuklearbrennstoffen betrifft dies vor allem die Erdgas- und Erdölimporte aus demokratiepolitisch bedenklichen Ländern. Während die prekäre Situation bei Erdgas hinlänglich bekannt ist, wird die dramatische Importabhängigkeit des Verkehrs- und Transportsektors kaum erwähnt. Der europäische Verkehrs- und Transportsektor beruht zu 94% auf Erdöl und Erdölprodukten, wovon mehr als 90% importiert werden müssen. Besonders kritisch ist dabei die hohe Abhängigkeit der EU bei der Dieselversorgung von Russland, da russische Firmen auch die Raffineriekapazität der EU dominieren“ stellte Hermann Schultes, Präsident der LK Österreich, und forderte daher eine „deutliche Priorisierung der innereuropäischen Erzeugung aller erneuerbaren Energien“.

 

‚Bruderschaft‘, ‚Nabucco‘, ‚South Stream‘: Abhängigkeit bleibt

„Die angestrebte Stärkung des Binnenmarkts im Energiebereich ist zwar zu begrüßen, die Wirksamkeit des Maßnahmenpakets ist allerdings untrennbar mit der konkreten Ausgestaltung verbunden. Die Errichtung zusätzlicher transnationaler Energieinfrastruktur, wie beispielsweise Erdgaspipelines und Stromtrassen, mag zwar die Verteilung der vorhandenen Energie im EU-Raum verbessern, die Abhängigkeit der EU von teuren Energieimporten aus Drittstaaten kann mit Rohr- und Leitungsbau allein sicher nicht gelöst werden“, so Schultes weiter. Ergänzend fügt er hinzu: „Ob die Gasröhre ‚Bruderschaft‘, ‚Nabucco‘ oder ‚South Stream‘ heißt, ist irrelevant; die Abhängigkeit vom Gaslieferanten am Ende der Leitung bleibt. Man wird auch sehr kritisch hinterfragen müssen, ob nicht ein wesentlicher Teil der transnationalen Stromtrassen, die unter Aushöhlung der Eigentumsrechte errichtet werden sollen, für den mit EU-Geld subventionierten Transport von Atom- und Kohlestrom dienen.“

 

konsequenter Ausbau aller erneuerbaren Ressourcen

„Während sich die Kommission in ihrem Papier seitenlang mit der Forcierung des Leitungsbaus befasst, bleiben die konkreten Ausführungen zum weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie sehr dürftig. Die zahlreichen Widersprüche im EU-Energiekonzept bringen letztlich mehr Fragen als Antworten. Das bestätigt unsere Forderung, dass wir auf nationaler Ebene unbeirrt am konsequenten Ausbau aller unserer erneuerbaren Ressourcen festhalten müssen. Nur so sind wir in der EU zum Spitzenreiter bei zukunftstauglichen Energiesystemen geworden und haben zahlreiche erfolgreiche exportorientierte Unternehmen in Österreich, die mit ihrer Technologieführerschaft Wertschöpfung und Arbeitsplätze bei uns schaffen und sichern“, stellt Schultes abschließend fest.

 

 

Kontakt LK-Pressestelle: Dr. Josef Siffert, Tel 01/53441-8521, E-Mail j.siffert@lk-oe.at