Neue Produkte und Energie aus Pflanzen statt aus Öl und Gas

(c) Anna Schreiner, LKÖ

Bioökonomie: Höhere Wertschöpfung, weniger Ressourcenverschwendung

„Wenn aus Pflanzen nicht nur Nahrungs- und Futtermittel, sondern auch Rohstoffe für die Industrie, den Verkehr, die Energiewirtschaft, den Bau, die Pharma- und Kosmetikwirtschaft, die Autoerzeuger und viele andere Wirtschaftszweige hergestellt werden, nennt man das Bioökonomie. Pflanzliche Rohstoffe oder Abfallprodukte der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung werden zu hochwertigen Produkten veredelt und ersetzen Erdöl und Erdgas. Auf diese Weise wird Schritt für Schritt die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen geringer und die Produkte aus Feld und Wald gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Mittlerweile wurden neue technologische Türen geöffnet. Es entstanden Werkstoffe mit gänzlich neuen Eigenschaften. Somit geht es heute nicht mehr nur um Erdöl-Ersatz, sondern um eine Neuausrichtung der Wirtschaftsgrundlagen. Das ist für die Land- und Forstwirte eine große Chance, weil ihre bäuerlichen Unternehmen so auf mehreren Standbeinen stehen können. Das sichert auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland. Wichtig ist, dass Land- und Forstwirte bei der Entwicklung einer Bioökonomie-Strategie voll eingebunden sind. Was wir sicher nicht brauchen, sind planwirtschaftliche Rohstofflenkungen oder wieder neue zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien, die zu den bereits bestehenden und gut funktionierenden Systemen dazukommen“, stellte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes im Rahmen der Eröffnung der Wintertagung des Ökosozialen Forums fest.

 

Ländlicher Raum: Neue Chancen

„Die Bioökonomie bietet auch für den ländlichen Raum neue Chancen. Die bäuerlichen Betriebe werden gestärkt, da sie neue innovative Wege beschreiten und so als Wirtschaftsmotor für die gesamte Region fungieren können. Gleichzeitig werden Forschung und Entwicklung enorm vorangetrieben. Das alles zusammen schafft neue Perspektiven für ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Wirtschaften. Eines bleibt dabei klar: Die Erzeugung von Lebensmitteln und Futter für die Tiere wird stets an erster Stelle stehen. Und ebenso klar ist, dass die Bäuerinnen und Bauern die Rohstoffe für Industrie und Energie ebenso nachhaltig erzeugen werden wie die Lebensmittel. Das Ziel ist es, von klimaschädlichen fossilen Rohstoffen wegzukommen. Damit wird man auch von politisch nicht berechenbaren Potentaten, in deren Händen sich der größte Teil der Öl- und Gasvorräte befindet, unabhängiger“, so Schultes weiter. Er ergänzte: „Wir müssen aber aufpassen, dass traditionelle Nutzungsformen der Roh- und Reststoffe nicht beeinträchtigt werden. Die Bioökonomie soll Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum stärken und nicht durch eine vorrangige Ausrichtung der Rahmenbedingungen auf Industrieinteressen gefährden.“

 

„Durch die ständige Verfügbarkeit fossiler Rohstoffe haben wir in der Vergangenheit aufgehört, das vielfältige Potenzial unserer heimischen Rohstoffe zu nützen und damit auf Wertschöpfung im Inland verzichtet. Die Bioökonomie wird dazu beitragen, dass wir unsere Produkte breiter absetzen können. Denn zukünftig werden auch Nebenprodukte, Ernterückstände und Reststoffe, die bis dato keinen Absatz gefunden haben, genützt werden. Das macht uns durch innovative Produkte und neue Absatzmärkte auch widerstandsfähiger und hilft uns unter anderem bei politisch oder durch Naturkatastrophen ausgelösten Marktverwerfungen in einzelnen Teilbereichen. Unsere Land- und Forstwirte spielen bei der Bioökonomie als Rohstoffproduzenten eine bedeutende Rolle: Sie stellen die biologischen Rohstoffe zur Verfügung, die es schaffen, unsere Wirtschaft zu revolutionieren“, so Schultes abschließend.

 

 

Bioökonomie im Alltag

Produkte, die aus Pflanzen hergestellt werden, findet man in allen Lebens- und Arbeitsbereichen; Beispiele:

·         Textil- und Wandfarben; Kosmetika (Cremen, Puder und Zahnpasta)

·         Wasch- und Reinigungsmittel (Shampoo, Duschgel, Waschpulver, Spülmittel und Haushaltsreiniger)

·         Arzneimittel aus Pflanzen, wie Mariendistel, Johanneskraut, Spitzwegerich oder Baldrian

·         Einweggeschirr, Spielzeug, Sportartikel, Gehäuse für Elektrogeräte

·         Auto- und Maschinenteile

·         Möbel, Werkzeuge, Musikinstrumente, Verpackungen (Holz, Papier)

·         Stärke findet sich in über 800 Produkten, vom Nahrungsmittelbereich bis hin zu technischen Anwendungen in der Papiererzeugung oder im Bau-Beton

·         Von durchschnittlich 45.000 Produkten in einem US-Supermarkt enthalten ca. 12.000 Artikel Mais

 

Zahlen und Fakten - Beispiele

·         1 ha Mais-Ackerfläche kann bis zu 6 t Polymilchsäure (PLA) liefern, ein „Obstsackerl“ wiegt ca. 6 g; demnach könnten je Hektar Mais bis zu 1 Mio. PLA-Sackerl erzeugt werden.

·         1 ha Raps-Ackerfläche und ca. 0,3 ha Mais-Ackerfläche können bis zu 6 Tonnen pflanzliche Tenside bzw. bis zu 9 Tonnen Waschmittel liefern. Das wären ca. 1.800 Waschmittelpackungen zu je 5 kg auf zusammen 1,3 ha Ackerfläche (Raps & Mais)

·         1 ha Ölpflanzen-Ackerfläche kann bis zu 1,3 Tonnen Bioschmierstoff aus Pflanzenöl liefern

·         1 ha Hanf-Ackerfläche kann bis zu 80 m³ Dämmstoff aus Hanffasern liefern

 

 

Kontakt LK-Pressestelle: Dr. Josef Siffert, 01/53441-8521, e-mail: j.siffert@lk-oe.at