Schultes persönlich - März 2017

(c) LKNÖ

Liebe Leserin, lieber Leser!

Können Sie sich noch an die Aufregung um den Rinderwahn erinnern?

Fleisch war nicht mehr gefragt, die Preise kaputt und trübe die

Zukunft für viele. Tiermehl kommt bei uns nicht mehr in den Nahrungskreislauf.

Thema erledigt.

Jedem in Erinnerung sind die Bienen. Neonicotinoide sind verboten.

Der Schaden in der Landwirtschaft ist anhaltend. Die Beseitigung der

Gefahr durch bessere Technik und Einschränkung der Anwendung

dürfen nicht mehr diskutiert werden. Die Imker haben nach wie vor

die alten und einige neue Sorgen. Der Rapsanbau geht zurück. Palmöl

als Ersatz für Rapsöl ist auch nicht die erwünschte Antwort.

Die Empörungsmaschine funktioniert. Wir können unseren Teil der

Geschichte nicht mehr erzählen.

Gegen Glyphosat geht es jetzt schon mit offensichtlich unwahren Behauptungen.

In Österreich werden keine Pflanzen angebaut, die eine

Behandlung mit Glyphosat überstehen, also wird es wohl nicht in

Nahrungsmittel kommen können. Es gilt noch immer – Glyphosat ist

bei unserer Form der Anwendung ok. Wir schaffen damit den Schutz

vor Erdabschwemmung im System der abfrostenden Begrünungsdecke

ohne Bodenbearbeitung im Frühjahr.

Es stellt sich die Frage: „Wieso funktioniert die Skandalmaschine so

gut?“ Weil Lebensmittel jeden Tag am Tisch stehen, aber die Menschen

immer weniger über ihre Entstehung wissen. Spendenkonzerne

nützen diese Tatsache und bringen immer wieder gut untereinander

abgestimmt, der Jahreszeit angepasst und über mehrere Jahre durchgezogen

ihre Kampagnen in die öffentliche Meinungswelt. Die sind

mittlerweile so gut, dass auch sehr große Handelsketten oder Konzerne

einknicken und brav „Beratungsgelder“ zahlen.

Manche Menschen bemerken uns nur, wenn es einen Wirbel gibt.

Andere wieder lassen sich durch dieses Theater einfach nicht beirren,

weil sie wirkliche Bauern kennen und um unser Leben wissen. Dort

liegt der Schlüssel. Unsere Geschichten müssen wir erzählen. So bunt

und vielfältig wie unser Land, unsere Landschaften, unsere Begabungen

und Interessen sind, so interessant ist unser Beruf.

Unsere Geschichten sind leise, persönlich und aus dem Leben. Jeder

Bauer und jede Bäuerin kann mithelfen, dass die guten Botschaften

über die Landwirtschaft echt und bodenständig erzählt werden. Ich

bitte Sie darum.

 

Hermann Schultes