Kudlichs Bauernbefreiung ist und bleibt Auftrag für Agrarpolitik

(c) Roland Grames

Gedenken: Vor 100 Jahren starb Hans Kudlich

"Hans Kudlich hat im Jahr 1848 mit seinem Antrag im Reichstag auf 'Aufhebung des Unterthänigkeitsverhältnisses' den Startschuss für die Befreiung der Bauern von Robot, Zehent und anderen Belastungen gegeben. Hundertausende wurden dadurch zu freien Eigentümern ihres Grundes und Bodens. Kudlichs Bauernbefreiung ist und bleibt ein Auftrag für die Agrarpolitik. Es gibt zwar nicht mehr Robot oder Zehent, welche die Freiheit der Bäuerinnen und Bauern heute einschränken. Doch aus politischen, bürokratischen und ökonomischen Regeln, einst als Leitplanken eingeführt, wurden viele zu Hürden und Hindernissen, da sie oft nur noch Selbstzweck sind. Will eine nachhaltige Land-, Forst, Energie- und Ernährungswirtschaft auch morgen und übermorgen erfolgreich sein, braucht sie wieder mehr Flexibilität sowie Vielfalt und weniger starre Regelungen, die Kreativität wie auch Freiheit einschränken. Die derzeitigen Regierungsverhandlungen und die beginnenden Verhandlungen über die neue EU-Agrarpolitik ab 2021 bieten dafür die beste Gelegenheit. " Dies erklärte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes aus Anlass des 100. Todestages von Hans Kudlich, der sich am 11. November jährt. 

Freiheit und Verlässlichkeit gefragt 

"Freiheit ohne Regeln führt zur Anarchie, Regeln ohne Freiheit führen zur Diktatur. Beides ist abzulehnen. Für die Zukunft unserer Bäuerinnen und Bauern heißt Kudlichs Auftrag, jenes vernünftige Verhältnis zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung zu finden, das eine Weiterentwicklung auf verlässlicher Basis garantiert", so Schultes. "Freiheit braucht zuverlässige Hilfseinrichtungen wie die Landwirtschaftskammern und die Produktionsverbände. Eine wesentliche Grundlage der Freiheit bildet das Eigentum. Daher brauchen wir mehr Respekt vor dem Eigentum, denn dieses bildet das Rückgrat einer sicheren Ernährung. Eigentum bedeutet Verantwortung und darf nicht zum reinen Spekulations- oder Geldanlage-Ersatzobjekt werden", forderte der Präsident. 

Konkret, so Schultes, brauche die künftige EU-Agrarpolitik einen Budgetrahmen und Kofinanzierung auf heutigem Niveau sowie Vereinbarungen, die der Landwirtschaft Chancengleichheit und Augenhöhe mit dem heimischen Handel wie auch in internationalen Handelsabkommen sichern: "Das stärkt die Verlässlichkeit. Gleichzeitig müssen Bürokratie und Zentralismus deutlich zurückgefahren werden. Damit wachsen Freiheit und kreative unternehmerische Vielfalt", erläuterte Schultes. 

"Der Klimawandel mit seinen negativen Folgen, wie Dürre oder Überschwemmung, schränkt die Möglichkeiten der Landwirtschaft enorm ein. Alles zu tun, um den Klimawandel zu bekämpfen, das reicht von einer umfassenden Energie- und Klimastrategie über die Große Ökostromnovelle bis hin zum forcierten Einsatz nachwachsender Rohstoffe und grüner Technologie sowie einem langfristigen Wassermanagement in von Dürre bedrohten Gebieten, heißt letztlich mehr Freiheit", stellte der LK-Präsident fest.  

"Freiheit und soziale Sicherheit sind eng miteinander verbunden. Denn Freiheit endet schnell, wenn die soziale Absicherung bei Krankheit, nach Unfällen oder im Alter fehlt und auch, wenn das soziale Netz durch Missbrauch überstrapaziert wird. Ein stabiles Sozialsystem mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung und gezielter Hilfe für die Schwachen ist ein trefflicher Garant für persönliche Freiheit", unterstrich Schultes. 

Freiheit für ländlichen Raum 

"Freiheit bedeutet auch, Zugang zu allen Betriebsmitteln unter gleichen Bedingungen und keine nationalen Sondereinschränkungen, die die Nachbarn im Binnenmarkt nicht haben. Dazu gehören auch adäquat angepasste Regeln für ganz Große und ganz Kleine: Kleingewerbetreibende oder Direktvermarkter sind keine Industriebetriebe. Freiheit für die Menschen am Dorf setzt auch dieselbe Infrastruktur wie in urbanen Räumen voraus. Das heißt ausgebaute Verkehrsnetze, sichere Breitband-Anbindung oder funktionierende Betreuungseinrichtungen für Kinder oder Senioren. Und Freiheit braucht Bildung. Nur der Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten sichert den Menschen am Land langfristig die Freiheit", zählte Schultes auf. 

"Diese Punkte zeigen, dass Kudlichs Kampf um die Freiheit nicht zu Ende ist. Er muss jeden Tag von neuem beginnen und auf allen Ebenen ausgefochten werden. Nur so ist garantiert, dass der Bauer, die Bäuerin auch in Zukunft frei und eigenständig ihr Leben planen, entscheiden wie auch leben können", sagte Schultes. (Schluss)

    

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