Juni 2016

(c) LKNÖ

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nachfrage und Angebot bringen die Signale für Mengen und Preise.

Gute Preise heißen: „Bringt mehr Ware!“ Schlechte Preise bringen sinkende

Mengen. Das gilt für Zucker, Schweine und auch die Milch.

Der Unterschied ist die Reaktionszeit und die Dauer, bis die Signale wirken

und eine Veränderung eintritt und auch sichtbar wird.

Sehr lange ist die Reaktionszeit der Märkte bei der Milch, auch weil sie

international sehr verbunden sind.

Die anderen Marktpartner sind zufrieden. Bei der Milch wird der Marktkampf

nur auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.

Im Gegensatz zu den kleinen Märkten von früher sind in größeren Märkten

ohne Überschussentsorgungsmöglichkeit alle politischen Preiseingriffe

und Mengenbeschränkungen unwirksam geworden und gescheitert.

Wir erleben das nicht nur bei der Milch, sondern auch beim Zucker.

International wächst der Bedarf an Milch und Milchprodukten unabhängig

von der aktuellen Nachfrageschwäche, die mit einer Erholung der

Kaufkraft in China wieder vorbei sein wird.

Die Märkte in Österreich können im Wissen um die europäischen

Zusammenhänge gestaltet werden. Aber eben nur von den Marktteilnehmern.

Sie haben das Wissen um die Kunden, die Nachfrage und die

Produktionsmöglichkeiten.

Kartellrechtliche Bestimmungen verhindern üblicherweise diese Absprachemöglichkeiten,

damit die Kunden durch den Missbrauch der

Marktmacht nicht ausgenützt werden können. Bis zur Wiederherstellung

des Marktgleichgewichts bei der Milch wird Vermögen der Bauern

und Versorgungssicherheit auf der Verarbeiterseite vernichtet. Die EU

Kommission hat dieses Redeverbot auf Anregung aus Österreich befristet

außer Kraft gesetzt. Es soll über ein Mengenziel geredet werden!

Wer die MARKTMACHT hat, hat unter diesen Voraussetzungen auch die

MARKTVERANTWORTUNG.

Jeder Geschäftsführer aus der Verarbeitungswirtschaft und aus dem

Handel hat die persönliche Verantwortung für die Verkürzung dieser

unglaublich brutalen Wettbewerbssituation. Was der Einkäufer und der

Verkäufer durch Verantwortungsverweigerung beim Preis vernichten

können, kann keine Politik ausgleichen.

Redet miteinander! STOPPT die Zerstörung der Preise. Bringt die Spirale

nach unten zum Stehen!

Verantwortungslose Preiszerstörung ist unmoralisch. Erst wenn Marktvernunft

einkehrt, kann die Politik mit begleitenden Maßnahmen für die

Bauern Hilfsmaßnahmen verlangen.

 

Höchste Zeit!!

Ihr Hermann Schultes