Schultes persönlich - April 2017

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Geht es ums Essen, gibt es viele Ratgeber. Man kennt sich kaum noch

aus. Jetzt ist gerade der Zucker auf der Kampagnenliste des ORF und

des SPAR-Konzerns. SPAR gibt zu, dass bis jetzt zu viel Zucker in den

Eigenmarkenprodukten war. Weniger ist angeblich gesünder, was

war bis jetzt? Einfach besser machen, wäre jetzt angesagt; das geht so

nicht – die Welt muss zuerst belehrt werden.

Dieses Muster kennen wir schon. Bei CETA war es genauso. Der

Handelskonzern SPAR, der wie kaum ein anderer von den Vorteilen

international zugänglicher Märkte profitiert, Schiedsgerichte anruft,

vom Kartellrichter zu Rekordstrafen verurteilt wird, hat jetzt drei Jahre

die Medienorgel bedient und sich zum „Weißen Ritter des Wettbewerbs“

ausrufen lassen. Das war eine peinliche Übung, aber mit entsprechender

Finanzkraft für Werbung lässt sich allerhand Meinung verschieben,

und viele Leute haben die „Zirkusnummer“ geglaubt. Jetzt kennen wir

bei CETA die Fakten, und die Kritiker sind still, die Vorsichtigen geben

Entwarnung, und unsere Anstrengungen um ein brauchbares Handelsabkommen

in unserem Interesse haben sich gelohnt.

Jetzt ist also der Zucker dran.

Ja, es gibt viele Menschen mit mehr Gewicht, als auf ihrer Größe gut

Platz hat. Ab und zu etwas weniger essen und mehr Bewegung ist

wahrscheinlich für viele von uns empfehlenswert. Ich kenne das. Aber

dafür brauch ich keinen ORF und auch keine Supermarktkette, die die

süßesten Versuchungen bei der Kassa in Kinderaugenhöhe aufbaut

und mir dann etwas von zu viel Zucker erzählt. Gelebte Frechheit im

Alltag.

In der Zeit, in der das Durchschnittsgewicht der Österreicher gestiegen

ist, ist der Zuckerverbrauch in Österreich um ein Fünftel zurückgegangen.

Wird wohl auch noch was anderes die Kalorien geliefert haben.

Soll jeder essen, was er will! Es ist gut zu wissen, was drinnen ist

und wer drauf geschaut hat, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Da

verlass ich mich auf Österreich. Die Herkunft von Fleisch und Eiern,

das Land, in dem Tiere gehalten wurden, die Wahrheit beim Verpackungsdatum,

das will ich wissen – auch vom Mittagsmenü im

Kindergarten oder im Seniorenheim oder in der Betriebskantine.

In der Anti-Zuckerwoche hat der ORF gerne die Werbespots für

Kinderschokolade gesendet, auch der ORF muss von was leben.

So freue ich mich auf den Schokoladeosterhasen, meide Menschen,

die mir ausrichten, wie ich leben soll und wünsche Ihnen Freude an

der Frühlingssonne und an allem, was schmeckt.

 

Hermann Schultes